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Beschreibung:
MEIN HUND FING EINMAL EINE KUGEL AB, DIE FĂśR MICH BESTIMMT WAR.
Diese Kugel krachte durch seine Brust, verfehlte nur knapp sein Herz und trat durch sein Schulterblatt wieder aus, das sie dabei komplett zertrümmerte. Bewusstlos blieb der Hund auf dem Boden meiner Wohnung liegen. Unglaublicherweise hatte die Kugel ihn nicht getötet.
Vor zehn Jahren adoptierte ich Blue, um mir selbst ein Geschenk zu machen, nachdem ich mich an einem heißen Frühsommerabend von meinem Freund getrennt hatte – bei offenem Fenster und eifrig lauschenden Nachbarn. Am nächsten Morgen ging ich direkt zum Tierheim in Bushwick, Brooklyn. Artikel über die Anschaffung des ersten Hundes raten grundsätzlich davon ab, im Affekt zu handeln. Man soll sich ausgiebig auf sein neues Familienmitglied vorbereiten, die Verantwortungen und Herausforderungen verstehen, die es mit sich bringt, mit einem Hund zu leben. Wie es sich verhält, wenn man lediglich etwas braucht, das einem Halt gibt, wird dabei allerdings nie angesprochen.
Ich bat den Mann vom Tierheim, mir die größten Hunde zu zeigen, die er damals hatte. Er zeigte mir ein paar sieben Wochen alte Rottweiler-Schäferhund-Mischlingswelpen, von denen er sagte, dass sie später eine recht stattliche Größe erreichen würden. Dann führte er mich weiter zu einem sechs Monate alten Schäferhund, der ebenfalls noch um einiges wachsen sollte. Und schließlich zeigte er mir Blue, den damals größten Hund im ganzen Tierheim.
Er war so groß wie eine dänische Dogge, allerdings viel schlanker, mit der Schnauze eines Collies, der Zeichnung eines sibirischen Huskys, den Ohren und dem Schwanz eines Schäferhunds und dem Körper eines Wolfs; eines seiner Augen war blau, das andere braun. So saß er da, unfähig, sich ganz hinzulegen oder voll aufzusetzen, und sah mich durch die Gitterstäbe an. Ich war auf der Stelle verliebt.
„Ich sage Ihnen, Lady, er ist hübsch anzusehen, aber sehr launisch. Außerdem haart er, und zwar so richtig. Ich glaube nicht, dass Sie diesen Hund wollen.“ Aber ich hatte mich bereits entschieden. Dieser Hund war das schönste Wesen, das ich je gesehen hatte.
Ich nahm Blue mit nach Hause, wo wir zehn Jahre lang miteinander lebten. Während des Großteils dieser Zeit war er mein einziger Gefährte. Aber als ich Blue zum ersten Mal sah, was inzwischen eine Ewigkeit her ist, hatte ich Freunde und Familie. Ich arbeitete in einem beschissenen Coffee Shop. Ich war jung und verloren; ich war ganz normal.
Damals, zu der Zeit, in der diese Geschichte beginnt und bevor ich jemals einen Leichnam gesehen hatte, bevor Blue mir das Leben rettete und ich wusste, wie es sich anfĂĽhlte, einen Menschen kaltblĂĽtig umzubringen, war ich noch Joy Humboldt.
DEN NAMEN SYDNEY RYE HATTE ICH NOCH NIE GEHĂ–RT.


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